Seit 1952 treffen sich
jährlich zu Pfingsten ehemalige Gebirgsjäger der Wehrmacht. Das Treffen
findet seit vielen Jahren am Hohen Brendten in Mittenwald statt. Dort organisiert
der "Kameradenkreis der Gebirgstruppe", ein Zusammenschluss von Wehrmachtsveteranen
und Bundeswehrsoldaten, jeden Pfingstsonntag eine Gedenkfeier mit Militärgottesdienst
für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Gebirgsjäger.
Das Mittenwalder Treffen mit bis zu 5000 Teilnehmern ist das größte
Treffen deutscher Wehrmachts-Veteranen. Die in Mittenwald zelebrierte Traditionspflege
steht im Widerspruch zu den von Historikern nachgewiesenen Kriegsverbrechen.
Auf ihren Veranstaltungen und in ihren Publikationen werden die Kriegsverbrechen
teilweise offensiv geleugnet und über die Opfer der Gebirgsdivisionen fällt
kein Wort.
Als es ab 1968 Ermittlungsverfahren wegen Kriegsverbrechen gegen ehemalige Angehörige
der Gebirgstruppen gab, nutzten die Betroffenen die Pfingsttreffen, um ihre
Aussagen und ihre Verteidigungsstrategie untereinander abzusprechen. Mit großem
Erfolg. Nicht ein einziger Gebirgsjäger wurde von der deutschen Justiz
zur Rechenschaft gezogen. Zu unrecht: Historiker konnten den Gebirgstruppen
zahllose Massaker nachweisen.
Zu nennen sind u. a. Kephallonia (6.000 ermordete Kriegsgefangene), Kommeno
(317 Frauen, Männer und Kinder), Lyngiades (80 Menschen), Skines (146 Männer
und 2 Frauen), Camerino (98 ZivilistInnen) und viele mehr.
Pfingsten 2003 veranstalten der Arbeitskreis "Angreifbare Traditionspflege"
und die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten"
(VVN/BdA) am traditionellen Stationierungsort der 1. Gebirgsdivision in Mittenwald
ein Hearing zu den Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger und zu den Entschädigungsforderungen
der Opfer. Dabei steht Griechenland im Mittelpunkt. Die Referenten sprechen
zu folgenden Themen:
1. Verbrechen der Gebirgsjäger in Griechenland (zugesagt: Prof. Schminck-Gustavus,
Universität Bremen / angefragt: Bürgermeister von Kommeno / Marco
Pazzini, Mailand, Überlebender von Kephallonia)
2. Traditionsverständnis der Bundeswehr (AK Angreifbare Traditionspflege)
3. Entschädigungsforderungen griechischer NS-Opfer (zugesagt: Aristomenis
Sigelakis, Nationalrat für die Entschädigungsforderungen Griechenlands
gegenüber Deutschland, Athen / und Argyris N. Sfountouris, Überlebender
von Distomo, Schriftsteller, Zürich/Athen.)
Juristische (Nicht-)Verfolgung der Täter (angefragt: Beate Klarsfeld, Paris
/ zugesagt: Prof. Dr. Ludwig Elm, Jena, Thema: "Geiselnahme und -tötung
war rechtens!"
Juristische Aufarbeitung der Wehrmachtsverbrechen),
4. Soldat und Kriegsverbrechen: Möglichkeiten individuellen Verhaltens
(zugesagt: Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz,
und Peter Gingold, Auschwitz-Komitee und VVN-BdA)
Die Moderation übernimmt Karola Fings , Historikerin aus Köln.
Das Hearing soll
5. Die Entschädigungsforderungen griechischer NS-Opfer gegenüber der
Bundesrepublik Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen
und sie wirksam unterstützen,
6. einen Beitrag zur Wiederaufnahme von Ermittlungsverfahren gegen Gebirgsjäger
der Wehrmacht wegen Kriegsverbrechen leisten und
7. die Öffentlichkeit über das problematische Traditionsverständnis
deutscher Soldaten informieren und eine gesellschaftliche Debatte dazu anregen.
Samstag, 7. Juni 2003:
Hearing und Demonstration / Kundgebung
Sonntag, 8. Juni 2003: Mahnwache