r a u m z e i t p r ä s e n t i e r t :

"Noch eine fremde und seltsame Welt"

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

mc orgelmüller
mietbare Alleinunterhaltung (b)

Herr Schultz & Herr Sömmer
Die Rheinpromenade - eine absurde Unterhaltung (hh's)

Gabba Gabba Hey
very free jazz (ma/lu)

29.05.2002, ab 21 Uhr im "Roten Salon" im Z-Bau, Frankenstr. 200 in Nürnbergund am
02.06.2002 auf dem Wagenplatz "Waffeldorf" ebenfalls ab 21 Uhr in Erlangen (hinter dem Festplatz an der Hartmannstraße)

Fremde und seltsame Welten begegnen uns im Alltag häufig und an unterschiedlichen Orten, sei es in der Straßenbahn, im Schnellimbiss um die Ecke oder auch zuweilen im Taschentuch. Manche dieser Welten mögen uns erschrecken oder verunsichern, manche erheitern uns, dritte wiederum tun beides. Manchmal erschafft sie der Vorsatz, manchmal der Zufall. Bisweilen wird in ihnen Theremin gespielt, hin und wieder Keyboard oder es werden in ihnen Megaphonhelme getragen. Ob dies oder jenes der Fall ist bei anzuzeigenden Veranstaltungen Ende Mai/Anfang Juni, vermag an dieser Stelle nicht geklärt zu werden.

Unter dem Titel "Noch eine fremde und seltsame Welt" geben am 29. Mai im "Roten Salon" im Z-Bau zu Nürnberg und am 02. Juni auf dem Wagenplatz "Waffeldorf" in Erlangen fünf Protagonisten Berlin, Stuttgart, Hamburg, Mannheim und Ludwigshafen sich in Mittelfranken ein Stelldichein. Die beiden Gigs sind Bestandteil einer Tournee durch Süddeutschland. Gefunden haben sich die drei Gruppen durch ihre Nähe zu subversiver Unterhaltung (wer diesen Begriff vermeiden möchte, ersetze ihn bitte durch Subkultur, und wer dies für einen Pleonasmus hält, dem kann der Schreiber leider nicht weiterhelfen), und das war für sie Grund genug, jenes einem erweitertem Publikum vorzustellen.

Mit den ramonesgeborenen "Gabba Gabba Hey", die von sich selbst sagen, einen "very Free Jazz mit durchgehendem, eingängigem Groove" zu spielen, wobei die Betonung auf "very" liegen dürfte, erhält das Auditorium auch einen Einblick in die Interpretationsgeschichte diverser Musikinstrumente und solcher, die es noch werden wollen. Im Repertoire des Duos, das von einem Rhythmusspezialisten mit Namen Bontempi, dem die beiden anderen Bandmitglieder den Vornamen Guido gaben, begleitet wird, sind sowohl bekannte Vorlagen aus Popmusik als auch echte Literaturvertonungen, unter denen sich auch Gedichte des Genossen befinden, anzutreffen. Dargeboten werden diese Juwelen des Kulturbetriebs auf unzähligen Musikinstrumenten, die von den Interpreten beherrscht werden oder von denen sie beherrscht sind. Und wer noch nie von einem Instrument namens Theremin gehört hat, braucht sich nicht grämen, ist aber gut beraten, diesem einmal zu lauschen.

Dem Dadaismus verschrieben hat sich das Kuriositätenduett Herr Schulz & Herr Sömmer, beide Mitbegründer und -streiter der dadaistischen Ballhausschlacht, mit einem Programm, das aus Gedichten, Vorträge, Szenen im fliegenden Wechsel zur Darstellung mit Texten von Kurt Schwitters bis. Manchmal erklären sie uns den Unterschied zwischen Anna und Hannover, manchmal bieten sie gymnastische Übungen feil, manchmal philosophieren sie über Fischsuppe und vergessen dabei nicht, dass Dadaismus nicht nur eine Kunstrichtung ist, sondern vor allem die Negierung bürgerlicher Kunst- und Kulturbegriffe.

Der dritte im Bunde nennt sich MC Orgelmüller und hält einige Sach- und Lachgeschichten zum Tanzen und Mitmachen bereit. Sein einziger Begleiter ist ein "modernes" Keyboard, seine Erscheinung lässt potentielle Schwiegerelternherzen höher schlagen, seine Musik ist den Anlässen verbunden, warum es Schwiegereltern gibt. Die Synthese von klassischer Alleinunterhaltung im Stile eines Franz Lampert mit Themen wie Bankraub, Kubasolidarität, Hausbesetzung und Ikonenbashing beherrscht MC Orgelmüller wie kein anderer seines Faches.

Sind an dieser Stelle noch Referenzen vonnöten, sei noch erwähnt, dass sich Teile des Spektakels an den Aktionstagen zum Erhalt des "Club Voltaire" in Zürich beteiligt haben. Das Haus, das einst die Wiege des Dadaismus beherbergte, wurde von Kunstsinnigen zum Behufe der Wiederbelebung dadaistischer Kultur besetzt. Seither kämpfen sie um den Erhalt der Räumlichkeiten.

Es sieht folglich nach einem bunten Abend aus. Wer also ein Faible für schräge Unterhaltung, für Dada, Gabba und Orgelmüllern hat und sich auf fremde uns seltsame Welten einlassen möchte, könnte sich an einem der beiden Abende gut amüsieren.

"Noch eine fremde und seltsame Welt" ist zu sehen am 29.05.2002, ab 21 Uhr im "Roten Salon" im Z-Bau, Frankenstr. 200 und am 02.06.2002 auf dem Wagenplatz "Waffeldorf" ebenfalls ab 21 Uhr in Erlangen (hinter dem Festplatz an der Hartmannstraße).